Tipps & Tricks für mehrfarbige Motive

Heute geht es darum, mehrfarbige Motive auf euer Textil zu bringen. Ich höre oft, Sätze wie „Vor mehrfarbigem Plotten habe ich schon Angst“ oder “ ich plotte eh nur einfarbig“. Aber ganz ehrlich – so kompliziert ist es nicht, wenn man ein paar Dinge beachtet – ihr schafft das Alle!

Wir haben vor einigen Jahren als einer der ersten Designer damit angefangen für unsere Kunden eine „aufgeteilte Farbvariante“ in unserem Paketen mitzuliefern. Hier sind alle  Farben schon in separaten Gruppen abgelegt und man muss die Motive nicht mühsam auseinanderpuzzeln. Für mich die einfachste und auch kundenfreundlichste Lösung 😉
Trotzdem gibt es natürlilch auch eine Standardvariante des Motives, wenn ihr euch die Farben anders zusammensetzen oder das Motiv nur aus einer Folie plotten wollt.

Aber lasst uns starten <3

Zuerst holen wir uns die gewünschte Datei ins Programm. Wir arbeiten hier mit unserem süßen Koala aus der Minifreunde-Serie. Natürlich funktioniert unsere Vorgehensweise mit all unseren Dateien.
Welches Dateiformat ihr auswählt, hängt vom verwendeten Programm und eurem Plotter ab, wenn ihr noch Hilfe bei den Grundlagen benötigt, werft einen Blick auf unsere Anleitung zum Plotten und Pressen für Einsteiger. Wir gehen in dieser Anleitung davon aus, dass ihr im grundsätzlichen Umgang mit dem Plotter schon ein wenig Erfahrung gesammelt habt.

Wir arbeiten hier mit einem Silhouette Cameo und der zugehörigen Software Silhouette Studio, sowie der dxf-Datei.

Leider können beim Import von .dxf – Dateien keine Farben übernommen werden, deshalb ist es sinnvoll, wenn du dir vorher kurz die Datei im Ordner .jpg anschaust, hier sind alle Einteilungen und Farben zu sehen.
Alternativ kannst du natürlich die einzelnen Motivteile auch in deinen Wunschfarben einfärben. Ich öffne mir gerne die .jpg Datei und lege sie neben meine Arbeitsfläche – so spare ich mir die Zeit für das Färben und weiß genau, was ich in welcher Farbe plotten möchte.

Datei vorbereiten

Alle Farben sind als kompletter Satz in einem Rahmen abgelegt, so dass du nicht z. B. die Innenteile für die Öhrchen und den Bauch einzeln auf dein Motiv puzzeln musst – du kannst alle Elemente in weiß auf einmal
aufbringen.

Nun kannst du entweder alle Farben nacheinander Plotten, in dem du die anderen Felder von der Arbeitsfläche ziehst oder du legst dir gleich alle Farben auf die Schneidematte und plottest in einem Schritt.

Dazu ist es sinnvoll, wenn du die Transparenz deiner Arbeitsfläche reduzierst, dann siehst du die Einteilung der Schneidematte am Besten (siehe Abb. oben)

Bevor du deine Flexfolien jetzt anhand der Markierungen auf die Matte klebst, das Wichtigste:

MOTIV SPIEGELN / SENKRECHT WENDEN

Ich ziehe mir die Farbflächen gerne in die Ecken, so geht es mit dem Ausrichten der verschiedenen Folien am Schnellsten.

So – nun kann es losgehen. Du hast deine Folienfarben ausgewählt und auf den entsprechenden Stellen der Matte platziert? Super, dann nur noch die Einstellung für die richtige Folie und du kannst dir einen Kaffee genehmigen, während dein Plotter die Motive schneidet 🙂

Folien vorbereiten

Entgittern

Jetzt geht es an meine – Nicht-Lieblingsarbeit – das Entgittern 😉
Anschließend schneiden wir den überflüssigen Rand ab.

Ich habe hier einen Entgitterhaken, einen sog. Hook  verwendet, es geht aber auch mit einer Stecknadel oder ein Cutter.

Sobald das geschafft ist, macht es Sinn das Motiv zu kontrollieren und alle Folien einmal übereinanderzukleben.

Alle Farbteile passen aufeinander? Klasse, dann hast du alles richtig gemacht und du kannst die Textilpresse bzw. das Bügeleisen vorheizen und noch ein bisschen an deinem Kaffee nippen 😉

Der beste Platz um fertig entgitterte Motive aufzubewahren sind meiner Meinung nach Klarsichthüllen. Auch wenn dir mal die Zeit fehlt das Motiv gleich aufzupressen oder du es einfach nur für später vorbereiten und vielleicht noch das Textil vorbereiten willst ist die Rückseite deiner Folie geschützt vor Staub und Fusseln. (Ich habe da doch den ein oder anderen in meinem Nähzimmer rumfliegen 😉 )

Folie aufpressen

Jetzt kommt endlich der spannende Teil: das Aufpressen – das mache ich tatsächlich am Allerliebsten <3

Wichtig ist nun, dass die erste Farbschicht die Komplettfarbe ist (in unserem Beispiel schwarz), die am Ende die Kontur ergibt. In der Regel ist das das größte Farbfeld und befindet sich bei unseren Dateien immer links oben.

Bei allen anderen Farben ist die Reihenfolge bei unseren Dateien egal, da sich keine Farben überlappen, sondern ausgespart werden. Mehr als zwei Schichten Flexfolie werden beim Tragen, vor allem bei größeren Motivbereichen schnell unbequem und steif.

Flex- und Flockfolie können unter Hitzeeinwirkung unterschiedlich stark einlaufen. Starte deshalb immer mit einer möglichst kurzen Zeit, da es sonst passieren kann, dass die Folien bereits am Anfang zu stark schrumpfen.

Erste Farbe / Komplettfarbe

Lege die erste Farbe auf und presse sie für 2-4 Sekunden mit dem Bügeleisen.
Arbeitest du mit einer Textilpresse, die vollständig aufgeheizt ist, reicht es sie nur kurz zu schließen und gleich wieder zu öffnen.
So läuft deine Folie kaum ein und das Motiv lässt sich super zusammensetzen. Ziehe das Trägermaterial aber sehr vorsichtig ab, da durch die kurze Presszeit, das Motiv nur leicht fixiert ist.

Zweite Farbe

Richtige deine zweite Farbe genau aus und verfahre dann weiter wie bei der ersten Farbe. Minimale Presszeit und den Träger dann gaaaanz vorsichtig abziehen

Dritte Farbe

Gleiches Spiel. Genaues Ausrichtigen, immer noch eine sehr kurze Pressdauer und vorsichtig abziehen.

Hier sieht man sehr gut, dass die Teile immer noch schön aufeinander passen und keine der Folie großartig eingelaufen ist.

Weitere Farben

Irgendwann passiert es aber immer, meist ab der vierten oder fünften Farbe – Das Motiv auf dem Textil schrumpft und die nächste Farbe ist nicht mehr exakt passgenau.
Gerade bei Motivteilen, die weit auseinanderliegen, sieht man es dann sehr deutlich wie hier bei den Blättern im Mund des Koalas.

Aber keine Sorge, die einfache Lösung ist die Schere.

Was nicht passt, wird passend gemacht!

Durchtrenne mit der Schere die Trägerfolie zwischen den Teilen, die nicht mehr ganz passen. Achte dabei darauf nicht ind die farbige Flexfolie zu schneiden.

Jetzt kannst du die grüne Flexfolie einfach an ihren Platz schieben, wenn sich der transparente Träger hier überlappt ist es nicht schlimm, dazu kommen wir gleich. Wieder 2 Sekunden pressen und ganz vorsichtig den Träger abziehen.

Ecken und Kanten

Wenn du so kleine Stückchen auflegst und der Träger mitten im Motiv aufhört, hinterlässt das kleine unschöne Abdrücke auf dem Motiv. Im richigen Licht fällt es deutlich auf. Darum kümmern wir uns jetzt:

Finale

Um alle Farbschichten nun nochmal zu fixieren und fest mit dem Untergrund zu verbinden pressen wir das Motiv jetzt nochmal komplett für ca. 10-15 Sekunden. Vorher legst du dir am Besten eine Schicht Backpapier, oder falls du sie noch nicht entsorgt hast, die Trägerfolie des Komplettmotives (weil groß genug für dein ganzes Bild) aufs Motiv, bevor du die Presse schließt.

Die unschönen Knicke sind verschwunden, dein Motiv ist fertig! <3

Wenn du sehr komplexe Motive mit vielen Farben plottest, musst du nicht für jede Farbe extra pressen. Schau ob du vielleicht immer zwei Farben zusammen auflegen kannst, zum Beispiel Haarfarbe und Schuhe – bei unseren Motiven ist das oft möglich. So „sparst“ du dir Presszeit und hast weniger Probleme mit dem Einlaufen der Folien 😉

Wenn du Anregungen, Fragen oder Anmerkungen zu unseren „Tipps & Tricks für mehrfarbiges Plotten“ hast, freuen wir uns, wenn du uns einen Kommentar da lässt <3

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